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Die Gegenwart der Moderne(n)

Das neue AlbumDie Gegenwart der Moderne(n)

Recollection: Jui-Sheng Lis Debut-Album

Auf die Technik ist man im Hause Steingraeber besonders stolz – mit Recht: denn die Klangqualität des neuen Albums namens Recollection erfreut selbst dann durch seinen klaren wie angenehmen Sound, wenn man „nur“ die normale CD, nicht die beigelegte „Pure Audio Blu-ray“ in die Maschine schiebt.

Natürlich ist es schön, wenn ein neues Sound-Produkt nicht allein durch klangliche Meriten, sondern auch durch interpretatorische Finessen auffällt. Jui-Sheng Li ist also mit mehreren Tontechnikern ins mittlerweile berühmte Konzerthaus Blaibach gegangen, um dort auf dem E-272-Concert-Grand-Flügel ein Konzeptalbum aufzunehmen. Mit seinem Plattendebüt positioniert er sich denn auch zielgerichtet zwischen der Moderne des 19., des frühen 20 wie des frühen 21. Jahrhunderts. „Recollection“: das meint die Rückbesinnung auf vertraute Meister der Vergangenheit und der Gegenwart, wobei schon Schumanns frühes Allegro op. 8 den Experimentator am Werk zeigt. Li reagiert auf die spektakuläre Tonsprache des Komponisten, der mit seinen Pianoexzessen, durchaus auf den Spuren des späten Beethoven, die Mitwelt erschreckte und entzückte. Li kostet die ungewöhnlichen Generalpausen aus, wirft sich in die Sechzehntelkapriolen und gliedert das „Material“, wie Adorno gesagt hätte, mit einer souveränen Zurückhaltung, die erst im letzten Opus des Albums, Ming-Hsiu Yens Zwei alte Postkarten aus Formosa, fast gewalttätig gebrochen wird; das „Pflügerlied“ (oder „Pfluglied“) der 1980 geborenen Taiwaneserin ist mit seiner Mischung aus Brutalität und Volksliedeinsprengseln eher dazu angetan, die Ochsen zu malträtieren. Damit passt es passgerecht zum „Tanz der Arbeiter“, dem zweiten Satz aus einer zweisätzigen Auskoppelung aus Karol Rathaus’ Pierrot-Ballett: eine Musik der 20er Jahre, also quasi Stücke aus jener Zeit, in der sowohl Schumann als auch Skrjabin noch junge Leute waren.

Skrjabins 24 Préludes op. 11 bilden den Kern des gesamten Programms – und auch hier übt der Interpret selbst dort, wo es „affetuoso“ zugehen soll, eine relative Zurückhaltung. Er erspielt sich die Skrjabinschen Miniaturen mit Noblesse und Anstand, so dass ein „Misterioso“ wie eine sachliche Tonstudie klingt. Er scheint den Tiefen der Skrjabinschen Muse ein wenig zu misstrauen, doch gewiss: den noch nach Salon duftenden Nummern kommt er mit dieser Zurückhaltung vielleicht näher als mit einer Verve, die das Süße noch süßer macht, als es ist. Dafür ahnt man in den meisten anderen Préludes bereits den Komponisten der Sonaten, mit denen sich der Russe in die moderne Musikgeschichte einschrieb.

Auf jeden Fall: ein interessantes, überlegt gespieltes Konzeptalbum, das den Begriff der musikalischen Moderne relativiert – und zugleich von Damals ins Heute holt: so wie den exzellenten Klang des Konzertsaals ins heimische Wohnzimmer.

Jui-Sheng Li: Recollection. Schumann, Skrjabin, Rathaus, Yen. IAN Records (erhältlich bei Steingraeber, Bayreuth).

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