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Bayreuth
Mittwoch, 17. August 22

Römische Marktschreier

Gerade bin ich auf dem Rom-Trip. Nicht...

An der Mündung des Flusses

Mit einem leisen Plopp gleitet der Korken...

Näher an den Schmuck heran kommen

„Ich versuch‘s, aber ich schaff‘s nicht“, sagt...

Der Weg der leeren Hand – Budō-Karate

AbschweifungenDer Weg der leeren Hand - Budō-Karate

Mit Karate assoziiert der Laie große starke Männer in weißen Anzügen, die dicke Bretter durchschlagen und dieselben vor dem Kopf zu haben scheinen. Bessere Schlägertypen eben. Interessierte halten Karate für einen Kampfsport, bei dem sie neben der Möglichkeit, sich zu wehren, vor allem Fitness und Muckis im Fokus haben. Beides sind Teile des Karate und doch haben Sie mit Karatedo (Do = Weg), dem Wesen der ursprünglichen Kampfkunst, des Budo, sehr wenig bis gar nichts gemein. In seinem Ursprungsort, Japans südlichster Präfektur Okinawa, dem ehemaligen Königreich Ryūkyū, ist Karate aus der Notwendigkeit der Clans entstanden, sich gegen die Samurai ohne die Hilfe von Schwertern zu wehren. Das Tragen von Schwertern war von der Obrigkeit über Jahrhunderte verboten und so entwickelten sich Techniken zur Selbstverteidigung, die in den verschiedenen Karatestilen aufgingen. Mithilfe dieser Stile war es tatsächlich möglich, völlig unbewaffnet einem Schwertträger Paroli zu bieten und das bei sehr guten Gewinnchancen. Das ist lange her und bekannt ist heutzutage vor allem der Stil Shotokan des großen Meisters Gichin Funakoshi, der maßgeblich für die Verbreitung der Kampfkunst auf der ganzen Welt verantwortlich war. Dabei wurden die vielen verschiedenen Techniken, anders als die des Schwertkampfes, nicht schriftlich weitergegeben, sondern über sogenannte Kata. Ein Kata ist eine Bewegungsabfolge, die bis zu 108 teils hochkomplexe Angriffs- und Verteidigungstechniken beinhalten kann. Mithilfe des Erlernens dieser Kata wird man über die Jahre zum Karateka. Am Ende dieses Weges kann man mit Sicherheit ein paar Bretter zerbröseln, doch das ist nicht der Sinn des Ganzen. Die Ausübung des Karate ist ein Akt höchster Selbstüberwindung, der Überwindung des eigenen Egos. Oder wie der Meister Mabuni Kenwa – der Gründer des Shitō-Ryū-Karate – sagte: Karate ist Zen in Bewegung. Das macht deutlich, dass es sich eben nicht um einen simplen Kampfsport handelt, sondern um eine Lebensweise, die zu Ausgeglichenheit und Mitmenschlichkeit führt. So wie die erste Bewegung jeder Kata im Karate immer eine Verteidigung darstellt, ist ein Karateka dazu angehalten, sich niemals aktiv auf einen Kampf einzulassen. Das höchste Ziel das Karate ist die Vermeidung des Konflikts. Dass sich auf dem Weg der leeren Hand nebenbei die Gesundheit immens verbessert, der Körper stark wird und der Geist klar, und dass man Karate bis ins hohe Alter trainieren kann, sollte für sie und ihn Motivation genug sein, es wenigstens einmal auszuprobieren. 

Weiterschmökern

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