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Bayreuth
Mittwoch, 21. Februar 24

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Er war ein glühender Jeanpaulianer. Nicht nur, dass sich die intensive Lektüre der Werke des Bayreuther Dichters in den Kompositionen des großen romantischen Komponisten niederschlug. Es gelüstete den Mann aus Zwickau auch, den Ort aufzusuchen, an dem sein Idol lebte, schrieb, starb – und getrunken hatte.

Gleich zweimal, kurz hintereinander, reiste er nach Bayreuth. Er war noch keine 18 Jahre alt, als der frisch eingeschriebene Leipziger Jurastudent im April 1828 mit dem Freund Gisbert Rosen im Gasthof Goldene Sonne (in der heutigen Richard-Wagner-Straße) einkehrte. Er sah, wie es im Tagebuch heißt, „schöne Mädchen“, besuchte den Dichter auf dem Friedhof, empfand dabei „tiefen Schmerz“ und ertränkte ihn bei der Rollwenzelin, wo er in der verlassenen Dichterstube dem verehrten Genius nachspürte. Die Eremitage und Fantaisie, Gärten und Denkmäler, dann, im Mai, als er im Goldenen Anker nächtigte, noch einmal der Friedhof und „düstres Abendgold und ferne Stürme“, schließlich die „schöne Gaststube“. So imaginierte sich der spätere Tonpoet in die sinnliche Welt Jean Pauls hinein, hielt einen „himmlischen Abend“ fest und empfing wesentliche Inspirationen für sein späteres Werk.

Zwischen tiefem Schmerz und reichlich viel Bier, den Bayreuther Mädchen und langweiligen Nächten tat sich eine Welt auf, um derentwillen sich der Besuch gelohnt hatte. Später begegnete ihm ein anderer großer „Bayreuther“, zu dem er ein wesentlich gespalteneres Verhältnis hatte als zum Autor eines „Göttersangs“ vom Schlage der Flegeljahre – aber das ist schon eine andere Geschichte.

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