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Tonbandgespräche mit Wolfgang Wagner

Richard WagnerTonbandgespräche mit Wolfgang Wagner

Am 29.Juli, gleich am Anfang der Bayreuther Festspiele 2023 feierte Kammersänger Bernd Weikl seinen 81ten Geburtstag. Neben seinen umjubelten Auftritten in den grossen Opernhäusern der Welt war Bernd Weikl ab 1972 während 25 Jahren mit insgesamt 230 Aufführungen der grosse Sänger-Bariton auf dem Grünen Hügel. Während meines Gesprächs mit Wolfgang Wagner am 14.August 1999 sprachen wir nicht nur über den Sänger, sondern auch über den Buchautor Bernd Weikl.       

Bayreuth 14. August 1999 (Teil 1)

In seinem letzten Buch ‘Vom Singen und von anderen Dingen’ schreibt Bernd Weikl folgendes über die wirtschaftliche Rendite von staatlichen

Subventionen an kulturelle Einrichtungen, ich zitiere:

« Es zeigte sich, dass diese Subventionen auf dem Wege über direkte Besteuerung und indirekte Einnahmen wie beispielsweise die sogenannte Umwegrentabilität zu etwa einhundertfünfzig Prozent an die staatliche ‘Gönnergemeinschaft’ zurückflossen. Ein gutes Geschäft für die Republik. Vor allem die Festspielstädte waren eindeutige Beweise für die glänzende Amortisation von ‘Subventionsinvestitionen’, leben doch die Hotelerie, viele Dienstleistungs- und Handwerkssparten, ja letztlich die ganze Region von den sprudelnden Ausgaben kunstbeflissener Kulturtouristen. »  (Zitat-Ende).  

Wie wir alle wissen ist Bernd Weikl ein ganz vielseitiger Mensch, der nicht nur singt, er schreibt auch Bücher, hält Vorträge usw. Man hat nun den Eindruck, dass solche Aussagen an Politikerohren vorbei gehen oder, dass Politiker solche Gedankengänge überhaupt nicht kennen.

Ja das ist natürlich sehr schwierig zu beurteilen, denn die Politik wird ja von Tagesnotwendigkeiten gelenkt. Man glaubt ja dann immer gewisse Dinge tun zu müssen die eigentlich nicht verstandesmässig erfasst werden können, aber die demagogisch gut wirken. Sie wissen ja, dass Kultur teilweise in Europa wirklich als Luxusartikel gilt und zwar deswegen weil die Sponsoren und Helfer immer wieder einspringen. Das ist natürlich von Haus aus in Deutschland nur in ganz begrenztem Masse notwendig. Heute geht es  hauptsächlich um Management und Erfolg und ums Verdienen. Man sieht nicht, dass Kunst nicht ausschliesslich zum Verkaufen da ist. Insbesondere das Theater und das Theater Richard Wagners hat ganz andere Aufgaben. Man will heute sozusagen immer gleichklingen, sehen das Geld in Massen einzuheimsen.

Gewisse Unternehmen die das versucht haben sind daran gescheitert, weil sie die seriöse Seite eigentlich zu wenig beachtet haben, was hier Weikl sicher interessant und auch als Kenner wirtschaftlischer Verhältnisse entsprechend richtig ausdrückt. Aber es geht ja hier immer um das Tagesgeschehen, das ist die Schwierigkeit. Es geht nie um ein Langzeitprogramm, denn auch diese umschichtige Rendite braucht eine gewisse Zeit. Man will immer gleich kassieren. Das wird man wahrscheinlich gewissen Leuten nicht abgewöhnen können weil die immer nur an den Tageserfolg glauben, nicht an den lang, zäh erworbenen Erfolg. Kunst passiert ja letzten Endes auch auf einer langen zähen Vorarbeit. Die Investitionen die da gemacht werden können, nicht so schnell sich amortisieren. Man denkt auch garnicht daran. Man schreibt immer wieder, was kostet das. Was aber damit an Geld bewegt wird, so wie es eben zum Ausdruck gebracht wurde, an das wird ja garnicht gedacht.

Herr Wagner, wir haben uns in den vergangenen Jahren über bedeutende Sänger unterhalten, mit denen in Bayreuth Sternstunden erlebt wurden. Und nachdem wir jetzt über den Buchautor Bernd Weikl gesprochen haben, möchte ich mich mit Ihnen über den Sänger Bernd Weikl unterhalten. Zwischen 1972 und 1996 sang er die grossen Rollen seines Fachs hier im Festspielhaus : 35mal Wolfram (Tannhäuser), 75mal Amfortas (Parsifal), 20mal Nachtwächter (Die Meistersinger von Nürnberg), 26mal Heerrufer, (Lohengrin), 31mal Holländer (Der fliegende Holländer) und 43mal seine unübertroffene Leistung als Schusterpoet Hans Sachs (Die Meistersinger von Nürnberg) in Ihrer Inszenierung.

Worin lag für Sie die Stärke dieses Sänger-Schauspielers mit dem Sie während 25 Jahren auf dem Grünen Hügel gearbeitet haben?

Also erstens war er ein aussergewöhnlich guter Sänger, dann war er ein hervorragender Darsteller, dann war es ein Mensch mit einer hochgradigen Intelligenz die er künstlerisch umsetzen konnte. Mitunter stehen ja auch Intelligenz oft bei künstlerischen Aussagen im Wege, also wenn man nicht mit der Intelligenz umgehen kann. Und darüber hinaus, war er auch stets ein Mensch der sehr guten Kontakt mit der Arbeitsgemeinschaft hatte, der gut einfügbar war und der genau wusste seine Eigenpersönlichkeit dahingehend zu wahren, dass seine Aussage immer auch für die anderen ein positives Muster darstellte. Das alles sind Eigenschaften die also bei einer künstlerischen Zusammenarbeit, nach meiner Ansicht, doch sehr bedeutsam und wesentlich sind.

Foto R.Tholl (mit Wolfgang Wagner in Bayreuth)
Foto R.Tholl (mit Wolfgang Wagner in Bayreuth)

Darüber hinaus war er ein Mensch der sich mit allem beschäftigte, mit wirtschaftlichen Problemen. Er schrieb gerne und er redete gerne, er war sehr kommunikativ. Er hatte zur Jugend ein gewisses Verhältnis und er war der Überzeugung, dass er also auch ihr in einer gewissen Art und Weise etwas geben könnte. Das sind natürlich Figuren, die so universal sind, dass eine gewisse Gefahr besteht, dass diese Universalität nicht immer begriffen werden kann.

Aber der Künstler kann an sich sowieso nie immer ganz begriffen werden, dann wäre er ja kein Künstler (lacht).

Damals, 1981 im Premierenjahr Ihrer Meistersingerinszenierung war Bernd Weikl mit 39 Jahren ein sehr junger Hans Sachs…

Das stimmt, aber bei der Uraufführung war der Sachs in München 37 Jahre alt. Es gibt ja so Beispiele wie die Schröder-Devrient, die mit 16 Jahren Fidelio gesungen hat. Es gibt ja immer so Ausnahmen. Anja Silja hat ja verhältnismässig früh in einer sehr jugendlichen und jugendhaften Form die Partien gesungen die manche erst nach 35 angreifen. Bernd Weikl war auch für Männer verhältnismässig doch sehr früh für diese Partie vorprogrammiert. Dank seiner Intelligenz, seiner Gesangskunst konnte er ja das auch.

Wann immer ich eine Aufführung der Meistersinger auf den grossen Bühnen erlebe, stelle ich immer wieder Vergleiche an und in Gedanken sehe ich dann zwei Sängerpersönlichkeiten aus Ihrer Bayreuth-Inszenierung : in den Rollen von Hans Sachs und Sixtus Beckmesser, Bernd Weikl und Hermann Prey. Ich glaube, dieses Zusammenspiel, diese Präsenz auf der Bühne, schauspielerisch und sängerisch war einmalig. Diese beiden Sänger sorgten für Sternstunden auf dem Grünen Hügel…

Ja ich würde meiner jetzigen Besetzung eigentlich nicht gerecht, wenn ich hier mit unter vollkommen anderen Voraussetzungen diese Stärke – auch anders umgesetzt – nicht auch zugestehen müsste. Ich habe also immer das Glück gehabt, dass ich insbesondere bei diesen Sachs- und Beckmesser-Interpreten eigentlich jetzt auch wieder Wege gefunden habe, die auf ganz andere Art mir diese Partien darstellen und erschliessen. Deswegen freue ich mich natürlich. Damals, in der Zeit, war ich glücklich die zu haben, aber ich bin auch heute glücklich. Ich habe mit 16 Debütanten die letzte Meistersinger-Inszenierung angetreten, so stark war das ja noch nie in der Form vertreten. Vor allen Dingen waren es auch Leute die echt in den Partien debütiert haben. Das darf man ja auch nicht vergessen und es rundet sich doch alles sehr schön ab. Bei meiner langen Theatertätigkeit empfinde ich es als beglückend, dass ich immer wieder Leute finden kann, die doch Hervorragendes – durch ihre Persönlichkeit bedingt – in anderer Form etwas ausdrücken können, was mir die Meistersinger gerne von Herzen auszusagen haben.

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