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Bayreuth
Montag, 28. November 22

Die Bayreuther Milch der Träume

PräludiumDie Bayreuther Milch der Träume

May you live in interesting times – die Veranstalter der Biennale, die 2019, also kurz v. C. in Venedig durch die Hallen ging, konnten sich unmöglich vorstellen, wie „interessant“ die Zeiten kurz nach Toresschluss noch werden sollten. Die jetzige Biennale, auf die sich der Unterschreibende schon sehr freut, bevor auch sie Geschichte sein wird, trägt einen wesentlich unverfänglicheren Titel: The milk of dreams. Die Milch der Träume, das klingt harmlos, aber Leonora Carringtons Buch, auf den sich der Titel der aktuellen Biennale  bezieht, ist ein Werk für eher erwachsene Kinder, die den gepflegten, surrealistischen Horror schätzen. Macht nichts: Es geht, so lernen wir, um die Fantasie, die es uns erlaubt, neue Welten zu erkunden, die uns jenseits der unmittelbaren Erfahrung über andere Wirklichkeiten aufklären. Die Biennale hat es mit eben jenen Parallelwelten zu tun, ohne sich von der politischen Wirklichkeit gänzlich abzukoppeln. Im Gegenteil: So wie in der im September zu Ende gegangenen Documenta kreuzen sich die gesellschaftliche Realität und die künstlerische Kreativität auf eine Weise, die manch Kasseler Beobachter dazu gebracht hat, die Kunst in all den dokumentaristischen Objekten zu suchen; Venedig bietet da, traditionell, ein wenig mehr an fantastischem Spiel-Raum. Allerdings fliesst die Milch der Träume auch durch Bayreuth – besonders durch die Hirne jener Kulturmacher, die es mit den Realitäten des Alltags zu tun haben. In diesem Fall haben wir‘s allerdings  eher mit der Milch der Albträume zu tun…

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