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Montag, 28. November 22

Erinnerungen an Bayreuth 1984

vom grünen HügelErinnerungen an Bayreuth 1984

Nie werde ich den Augenblick vergessen, als ich das Festspielhaus am 4.August 1984 ein erstes Mal betrat. Und als ich den Klang des unsichtbaren Orchesters hörte, hatte ich den Eindruck, jemand würde die perfektionierteste und teuerste Stereoanlage der Welt vorführen mit einer CD-Aufnahme des Fliegenden Holländers. Die Protagonisten waren Simon Estes und Lisbeth Balslev, Harry Kupfer inszenierte und Woldemar Nelsson stand am Pult.

Die Aufführung der Oper Die Meistersinger von Nürnberg in der Inszenierung und mit Bühnenbild von Wolfgang Wagner einen Tag später wurde mein zweitesBayreutherlebnis.

Die Besetzung war hochkarätig mit dem wunderbaren Bernd Weikl in der Rolle des Schusterpoeten Hans Sachs, Mari Anne Häggander sang die Eva, Manfred Schenk den Veit Pogner, Graham Clark den David, Marga Schiml die Magdalena. Der unvergessene Hermann Prey sollte den Beckmesser singen, Siegfried Jerusalem den Walther von Stolzing, aber die Enttäuschung für mich und meine Frau war groß, wegen plötzlicher Erkrankung wurden ihre Rollen von Hans Günter Nöcker und Jean Cox gesungen. Trotzdem wurde die Vorstellung auch mit diesen Sängern ein Highlight.

Die Festwiese z.B. zeigte ein traumhaftes Bühnenbild mit der Tanzlinde im Mittelpunkt. Bei dieser Inszenierung stimmte alles und später konnte mich nie eine Aufführung in egal welchem Opernhaus vollständig befriedigen.

Mein drittes Erlebnis kam ein Jahr später beim Besuch des Friedhofes in Bayreuth. Da stand ich nun vor der letzten Ruhestätte des ungarischen Komponisten, Dirigenten und Pianisten Franz Liszt. Zwölf Tage vor seinem Tod hatte Liszt im Bürgerkasino der Stadt Luxemburg nach einem Wohltätigkeitskonzert, das ihm zu Ehren gespielt wurde, drei Klavierstücke interpretiert.

Ich sah das Grab des großen Bayreuther Dichters Johann Paul Friedrich Richter, genannt Jean Paul, besuchte das Grab der Familie Wagner, in Stein gemeisselt die Namen von Siegfried und Winifred Wagner neben dem zu früh verstorbenen Wieland Wagner. Ich erblickte das Grab von Dr. Hans Richter, der im Jahre 1876 zur Eröffnung der Bayreuther Festspiele die Uraufführung des Ring des Nibelungen dirigierte.

Plötzlich stand ich vor einem kleinen verlassenen Grab, mit Moos und Unkraut bedeckt. Schlecht leserlich erblickte ich einen Namen, der mich faszinierte und gleichzeitig erschütterte. Vor mir lag das verlassene Grab einer großen Bayreuth-Sängerin, deren historische Aufnahmen bei mir den grössten Eindruck hinterlassen hatten, deren Namen ich immer wieder gehört hatte, zuhause im Kreis meiner Eltern, denn mein Vater war ein begeisterter Zuhörer des französichen Klassiksenders France Musique. Aus unserem UKW-Empfänger der Marke Nordmende mit dem Namen Tannhäuser erklang sehr oft der Name Maria Müller und nun stand ich vor dem verlassenen Grab dieser einmaligen Stimme. Ich wollte näheres über die Geschichte dieser Sängerin erfahren und so gelang es mir, im darauffolgenden Jahr ein erstes Mal vor dem Mikrofon Wolfgang Wagner, Komponistenenkel, zu begegnen. Nach einer ersten beeindruckenden Begegnung meinerseits, erklärte sich Wolfgang Wagner einverstanden, in den darauffolgenden Jahren regelmäßig in Bayreuth Gespräche mit mir aufzuzeichnen. Diese Tonbandgespräche über Künstler, die in Bayreuth Geschichte schrieben, sollten über zwei Jahrzehnte lang zu einer fast freundschaftlichen Gewohnheit werden.

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