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Die Studiobhne spielt den „Graf von Monte-Christo“ im Römischen Theater der Eremitage

Letztes Jahr feierte die Produktion ihre Uraufführung, nun kehrte sie wieder: gleichfalls mit riesigem Erfolg.

Kein Wunder: Man müsste als Regisseur und Schauspiel-Ensemble schon einiges falsch machen, um Alexandre Dumas d.Ä. Welterfolg vom falschen Grafen zu verhunzen und doch gehört Entscheidendes dazu, um aus der genialen Vorlage ein gutes Theaterstück zu machen. Natürlich können in einer nur zwei Stunden kurzen Spielfassung nicht alle Handlungsstränge und Facetten eines auch psychologisch interessanten Reißers gemacht werden, aber Achim Bieler hat mit seiner Version das Rechte getroffen. So bietet uns die Studiobühne, die allsommerlich das gleichsam romantische Ambiente des Römischen Theaters der Eremitage bespielt, einen Bilderbogen, dem der Tiefgang doch nicht abgeht. Die Schürung der Konflikte um den zu Unrecht eingekerkerten Edmond Dantès geht ebenso zugkräftig ab wie die Zeit seiner Gefangenschaft und die Zeit danach. Das Rachedrama läuft wie am Schnürchen vor uns ab: manchmal holzschnitthaft (das ist das Recht des Kolportageromans), manchmal psychologisch wertvoll. Wenn der Abbé Faria dem Gefangenen in einem Meisterstück der Deduktion die Gründe seiner Gefangenschaft erläutert, wird das szenisch ausgeführt, was insgesamt herrscht: die Logik eines Rachedramas, in dem die Hierarchien klar geordnet sind – so einfach wie großartig ist schon die von Bieler entworfene Bühne, die zugleich symbolisch und realistisch ist: Der Gefangene schmort unten im Kerker, während sich oben die verlogene Bourgeoisie vergnügt, bevor sich das Blatt wendet und aus dem Oben ein Unten wird.

Das Publikum liebt diese Produktion, weil sie spannend, intelligent und handwerklich meisterhaft über die Bühne geht, ohne doch die Sensibleren unter den Zuschauern geistig zu unterfordern. Dafür sorgt schon die Hauptfigur, die von Eduard Zhukov in all ihren Facetten gestaltet wird; die moralischen Probleme, die diesen in der Rache aufgehenden Mann befallen, werden vom Text und vom Spieler nicht ausgeblendet, sondern so schmerzhaft wie fein ausgestellt. An seiner Seite und gegen ihn: Oliver Hepp als Danglars (der Bankier, der an seiner eigenen Gier erstickt), Frank Ammon (der Staatsanwalt Monsieur de Villefort, der Dantès aus familiären Rücksichten ins Gefängnis bringt) und Bastian Weith (der Mann, der aus sexueller Eifersucht den Nebenbuhler durch einen Denunziations-Brief zur Strecke bringt). Das Ensemble agiert durchgehend, bis zu den Nebenrollen, die keine sind, auf hohem Niveau: Stefan Schneller und Frank Ambrosius als Gauner, Hans-Jürgen Honikel als verlumpter Abbé, Maya Massanneck als geliebte, dann falsch verheiratete Mercédès. Es macht einfach Spaß, dem bekannten Krimi noch einmal zu begegnen, weil hier alles passt – bis hin zur atmosphärischen Musik von Maximilian Naumann. Sie ist sozusagen das I-Tüpfelchen einer ungemein kurzweiligen Produktion. Chapeau, Madame et Messieurs!

Letzte Vorstellung: 22.7. 2023

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