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Tief ins mittelalterliche Bayreuth

BayreuthTief ins mittelalterliche Bayreuth

Klein, aber archäologisch fein: eine Broschüre über die Bayreuther Unterwelt

„Obwohl auch in Bayreuth viel an historischer Bausubstanz und an mittelalterlichen Überlieferungen verloren gegangen ist, steht doch zu hoffen, dass ähnlich professionell durchgeführte Grabungen wie im Bereich der Lateinschule doch noch den einen oder anderen Sektor des mittelalterlichen Bayreuth streiflichtartig erhellen können.“ Als Peter Segl im Jahre 1993 in einem Symposions-Vortrag anlässlich der 800. Wiederkehr der Ersterwähnung Bayreuths diese Hoffnung an das Ende seiner Ausführungen über „Bayreuth im Mittelalter“ setzte, stand es um die Erforschung der Bodenfunde im Raum des alten Bayreuther Stadtkerns nicht sonderlich gut. Segl konnte lediglich auf jüngste Ausgrabungen im Bereich der ehemaligen Lateinschule und eines einzelnen Hauses der Kämmereigasse hinweisen, um mit Hilfe von Baufunden die steinerne und hölzerne Frühgeschichte der Stadt zu beleuchten. Auch Karl Müssel, der Doyen der Bayreuther Stadtforschung, vermochte 1993 in seinem Buch zu 800 Jahren Stadtgeschichte zwar, ähnlich wie der Mediävist Prof. Peter Segl, auf relativ vielen Seiten die Entstehung und ersten Jahre der Bayreuther Entwicklung zu skizzieren, doch ausschließlich mit Hilfe schriftlicher Dokumente. Bekanntlich aber können erst archäologische Relikte und Entdeckungen die Relevanz skripturaler Überlieferungen bestätigen, erweitern – oder gar korrigieren; Urkundenforscher wissen, dass zumal im Mittelalter mehr oder weniger gefälschte Dokumente die Fakten trüben oder erst geschaffen haben.

Im Fall einer kleinen Stadt wie Bayreuth mag Letzteres kaum eine Rolle spielen, aber die Ausgrabungen, die seit 2000 in der Innenstadt durchgeführt werden konnten, haben unser archäologisches Bild von der mittelalterlichen Anlage mehr bereichert als die vielen Jahrzehnte, die seit der Erfindung des Fachs ins Land gingen. Seit den 1989 erfolgten Ausgrabungen am Kirchplatz müssen wir uns nicht allein auf die schriftlichen Artefakte verlassen, die sich in geringen Ausmaßen nach dem Hussitensturm von 1430 und den beiden Stadtbränden des frühen 17. Jahrhunderts erhielten. Seit 2003 wurde systematisch gegraben; der Archäologe Hartmut Endres hat nun als Ergebnis seiner excavations eine Broschüre vorgelegt, die alle Fundzusammenhänge und relevanten Plätze zusammengestellt, um, zum ersten Mal in der Bayreuther Geschichtsschreibung, ein plastisches Bild der frühen Bayreuther Stadtgestalt vorzulegen, die sich auf real Erhaltenes, nicht auf zu interpretierende schriftliche Dokumente verlassen kann.

„Die Bayreuther Unterwelt“ umfasst in wesentlichen Teilen Ergrabungen, die im Bereich der aktuellen und ehemaligen Stadtmauer vorgenommen wurden. Dabei konnte man beispielsweise ein Handwerkerviertel vor der östlichen Mauer entdecken, die durch keinerlei schriftliche Quelle belegt war. Gleichfalls unbekannt war die Tatsache, dass das alte Bayreuth „in weitaus größerem Umfang nach Osten, hinweg über Stadtmauer und -graben“ hinausreichte. Vor dem Alten Schloss stieß man auf Reste einer bis dato unbekannten Holzbebauung aus dem 13. und auf Reste eines Steingebäudes des 15. Jahrhunderts, die aus den bekannten Plänen und Texten nicht ersichtlich waren. Dabei konnte man auch ein Fundament der bislang nur erschlossenen „Alte Burg“ des 13. Jahrhunderts entdecken – all diese Entdeckungen sind keine Ergänzungen zur „bekannten“ Baustadtgeschichte, sondern im wahrsten Sinn ihre endlich nachgewiesenen Fundamente. Erst seit 2009 wissen wir, dass das Bayreuther Innenstadtgebiet bereits zur Urnenfelderzeit, also zwischen 1300 und 800 v. Chr. besiedelt war, erst seit 2007 haben wir genaue Kenntnis von einzelnen Verlaufsmetern der alten Stadtmauer, die mit der heute noch stehenden nicht immer parallel ging. Der Fund eines Kornspeichers aus dem frühen 17. Jahrhundert, von nicht weniger als fünf Brunnen, von denen der älteste schon vor der Errichtung der Stadtmauer in Betrieb war – all diese Funde belegen die simple Tatsache, dass die Archäologie, verstanden als Hilfswissenschaft, Wesentlichstes zur Aufklärung der ersten Jahrhunderte der Bayreuther Stadt- und Baugeschichte geleistet hat. Kommen hinzu Funde, die die Wasserversorgung betreffen, auch Ausgrabungen an der Stadtkirche, nach denen wir nun etwas schlauer sind: „Begrenzungen des Friedhofs, weitere Details zum Beinhaus, wie auch unvermutete Befunde erweitern das Wissen um den Kirchplatz.“

Hartmut Endres hat „seine“ und die anderen Fundstätten auch in einem 12teiligen archäologischen Tafel-Rundgang publiziert, der die Arbeit des Ausgräbers nicht als Geheimwissenschaft, sondern als Dienst am interessierten Laien und Fachhistoriker versteht. Die „professionell durchgeführten Grabungen“, die nun in einer ersten kleinen und mit Fotos und Plänen reich bebilderten Druckschrift in ihrer Gesamtheit kurz und knapp ausgewertet vorliegen, haben nun „den einen oder anderen Sektor des mittelalterlichen Bayreuth“ mehr als „streiflichtartig“ erschlossen: unterstützt von der Stadt Bayreuth, die das kleine, aber äußerst wertvolle Heft verdienstvollerweise als Gratisbroschüre herausgab.

Hartmut Endres: Die Bayreuther Unterwelt. Ein archäologischer Rundgang durch die Stadt. Bayreuth [Stadt Bayreuth] 2023. 36 Seiten.

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