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Bayreuth
Mittwoch, 17. August 22

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Zwischen Ost und West der Nord

PräludiumZwischen Ost und West der Nord

Der Bayreuther Kulturbrief mit Kulturterminen und Veranstaltungen in Bayreuth

West-wärts schweift der Blick, ost-wärts streicht das Schiff. Mag sein, dass wir selbst dann politisch denken, wenn wir nicht politisch, sondern allein an den Textbeginn der Handlung in drei Aufzügen denken, mit der die Festspiele eröffnet werden. Nur zweimal steht das Werk auf dem Programm, weil‘s die Planungssicherheit so empfahl. Also werden wir mit dem Ring und Tristan und Isolde gleich mehrere Neuproduktionen erleben, die zwar nicht zwischen West und Ost eingespannt sind, aber ahnen lassen, dass Wagner ein Künstler war, dessen Denken bisweilen seismographisch funktionierte: als habe er gewusst, was noch an Krisen und Katastrophen auf die von sich selbst geplagte Menschheit zukommen würde. Allein es bleibt dabei: Ob Ost, ob West, das gelte Allen gleich, wie es in einer anderen, unverstellt politischen Oper dieses Festspielsommers heißt. Barbarisch also, dass man sich an der Wiener Staatsoper Gedanken darüber machte, ob eine russische Oper (Mussorgskys genialer Boris Godunow) in Zeiten des russischen Angriffskriegs aufgeführt werden könne. Die Kunst steht über den vergänglichen Konflikten – zerging in Dunst das heil‘ge römische Reich, uns bliebe gleich die heil‘ge deutsche Kunst. Wagner hatte völlig Recht: Reiche vergehen, politische Systeme werden beseitigt, aber auch die deutsche Kunst bleibt, auch in Bayreuth. Ich finde, dass das ein tröstlicher Gedanke ist, auch wenn die Vermutung, dass Wagners Politik, die umso stärker ist, je intensiver er auf dem allzu idealistischen Gedanken beharrt, dass die Kunst die Politik ersetzen müsse, mindestens zwei Gesichter trägt. West-wärts schweift der Blick, ost-wärts streicht das Schiff. Wir wünschen den Festspielen 2022 einen guten Wind.

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