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Und über allem schwebt Richard

WagnerbücherUnd über allem schwebt Richard

„Und über allem schwebt Richard“ – diesen leicht beschönigenden Titel trägt ein wertvoller Brief-Band, der uns in das Innere Minna Wagners schauen lässt. Denn trotz der beiden Biographien von Sibylle Zehle und Eva Rieger, die das Bild der Frau an der Seite des Komponisten angemessen beleuchtet haben, harren noch wichtige Dokumente der Publikation. Mit der Veröffentlichung des Briefwechsels zwischen Minna Wagner und ihrer Schwägerin Cäcilie, verh. Avenarius, der vor allem in Minna Wagners letzten Lebensjahren vonstatten ging, gelingt es uns nun gut, die Probleme, die beide Frauen mit dem Ehemann und dem Halbbruder hatten, neu zu betrachten.

Minna Wagners Leben spielte sich zwischen 1859 und 1866 v.a. in Mitteldeutschland ab. Dresden, am Rande auch Leipzig, Chemnitz und Zwickau heißen die Orte, in denen sie ein ärmliches und von der schweren Herzkrankheit beeinträchtigtes Leben führte oder in denen nahe Verwandte saßen, über die sich beide – die Halbschwester in Berlin und die von den Eskapaden ihres Ehemannes frustrierte Ehefrau – beständig erregten. Schwester Klara macht für die beiden Briefpartnerinnen in Chemnitz eine schwache Figur, Zwickau ist eine kurze Zwischenstation für Minna Wagner, die Schwester Ottilie lebt in Leipzig: auch sie bekommt ihr Fett ab. So erfahren wir aus der Perspektive der beiden Frauen, wie sich Wagner um die Uraufführung des Tristan bemühte, in Russland gastierte, das Geld zum Fenster hinauswarf, schließlich in München ankam und sein Glück dort wieder verscherzte. Alles in allem: eine erhellende Dokumentensammlung – Richard Wagner, scharf beobachtet von seinen Nächsten in der Ferne Dresdens und Berlins.

„Und über allem schwebt Richard.“ Minna Wagner und Cäcilie Avenarius: zwei Schwägerinnen im Briefwechsel. Hrg. von Martin Geck. 240 Seiten. Olms Verlag, 2021. 240 Seiten. 24 Euro.

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