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Donnerstag, 9. Februar 23

Der anthroposophe Wagner

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Tonbandgespräche mit Wolfgang Wagner

Bayreuther FestspieleTonbandgespräche mit Wolfgang Wagner

Max Lorenz (1901 Düsseldorf  +1975 Salzburg) studierte bei Ernst Grenzebach in Berlin und debütierte 1927 als Walther von der Vogelweide in R. Wagners Tannhäuser an der Dresdener Staatsoper, der er bis 1931 angehörte. Anschließend war er Mitglied der Berliner und 1941-62 der Wiener Staatsoper.

Gastspiele führten ihn als einen der angesehensten deutschen Heldentenöre seiner Zeit an die bedeutendsten Opernhäuser der ganzen Welt sowie zu den Festspielen von Bayreuth, Salzburg, Zoppot und Florenz. Bei den Bayreuther Festspielen wurde Lorenz besonders in den Rollen des Tristan und Siegfried gefeiert. In Salzburg wirkte er auch bei Uraufführungen zeitgenössischer Opern mit: Der Prozess von G. von Einem (1953), Irische Legende von W. Egk (1955), Penelope von R. Liebermann (1954) und Das Bergwerk von Falun von R. Wagner-Régeny (1961). (Das neue Lexikon der Musik / Verlag J.B. Metzler)

Herr Wagner, wie sehen Sie heute Max Lorenz, was zeichnete ihn besonders aus?

Max Lorenz war nun im Erschenungsbild genau das Gegenteil, sagen wir, von dem plumpen Franz Völker. Was Max Lorenz vielleicht nicht ganz an Stimmqualität hatte, das ersetzte er durch Spiel und Persönlichkeit. Hier möchte ich sagen: zwei extreme Aussagen, aber mit gleicher starker Publikumswirkung. Vom Szenischem auch im heutigen Sinne von der Regie her, was ja noch viel wichtiger ist, Bewegungsregie usw., war Lorenz immer der Sängerschauspieler, den Wagner sich erhofft hat und dadurch wurde das, was nicht so perfekt war, durch diese Ausströmung ersetzt.

Wie war das früher hier in Bayreuth mit den Ausfällen von Sängern, wie konnten Sie sich auf diese Sänger verlassen im Vergleich zu denen der heutigen Generation?

Da der Mensch keine Maschine ist, selbst die beste Maschine geht irgendwann mal kaputt, selbst wenn Sie einen Rolls Royce haben, müssen sie damit rechnen, dass einmal die Luft aus den Autoreifen raus geht oder dass irgend ein Ventil oder die Steuerung nachgestellt werden muss. Und der Mensch ist natürlich noch anfälliger und heute kommt natürlich noch ein viel größerer und stärkerer Druck hinzu wie früher. Das ist die Unerbittlichkeit eines Teiles des Publikums, nicht des gesamten Publikums. Ein großer Teil des Publikums denkt nach wie vor menschlich und sagt, da steht keine Maschine, sondern da steht ein Mensch auf der Bühne. Und dieser Mensch kann nicht jeden Tag den erwarteten Perfektionismus darstellen, der uns ja heute zum Teil durch die ganzen synthetisch künstlichen Aufnahmen, die Spezialaufnahmen, Studioaufnahmen, demonstriert wird. Dadurch werden oft Maßstäbe gesetzt, die auf der Bühne überhaupt nicht erreichbar sind. Im Studio singt einer zehn Minuten, ist etwas schief gegangen, wird solange gemacht, bis es perfekt ist, d.h.
so perfekt, wie es sich der dortige Aufnahmeleiter oder der Dirigent erträumt. Das sind ja zum Teil absolute Seifenblasen, die haben ja mit der Realität nichts zu tun. Es ist ja auch so, dass heute z.B. eine Live-Aufnahme mit all ihren Mängeln und Fehlern zum Teil ja fast begehrter ist wie die perfekte Studioaufnahme. Man sehnt sich wieder etwas, nicht an die Synthetik und das Perfekte, sondern an das Menschliche. Es kann natürlich immer bei Aufführungen eine Anfälligkeit geben. Wir sind eben live und erleben unmittelbar auch gewissen Unzulänglichkeiten mit. Da muss ich persönlich sagen, dass der größte Teil des Bayreuther Publikums großartig ist und vor allem auch hier die Kollegen untereinander. Die sind nicht hämisch oder freuen sich darüber, wenn einem Kollegen heute was passiert, denn sie können morgen genau so dran sein, dass ihnen irgend etwas misslingt. Dann ist es ja schön, wenn man wechselseitig auch den Trost und das Verständnis untereinander aufbringt und in der Beziehung glaube ich, sind wir eine gute Gemeinschaft. Dadurch kommen dann auch die unmittelbaren spontanen Leistungen heraus und hier bei den hohen Anforderungen, jeden Abend ein grosser Wagnertenor, jeden Abend fast eine Hochdramatische, werden natürlich Maßtäbe gesetzt, die unerhört vieles abfordern und sehr hart an die Grenze des Realisierbaren gehen. Absagen gab es damals vielleicht nicht so viele und zwar deswegen, ein Ton war verhallt.., und heute wird jeder Ton festgehalten.

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Ein Abschied

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