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Dienstag, 8. September 26

Sehr aktuell: Im Dienst des Grüns

AllgemeinSehr aktuell: Im Dienst des Grüns

Gartenkunstmuseum Fantaisie: Ausstellung über den Bayreuther Hofgärtner A.C. Oertel.

Das Gartenkunstmuseum Schloss Fantaisie gehört, obwohl es schon vor einem Vierteljahrhundert eröffnet wurde, nach wie vor zu den unentdeckten Köstlichkeiten in der Bayreuther Museumslandschaft. Dabei heißt die freundliche Dame, die dort an der Kasse sitzt – kein Witz – Frau Obst.

Eine kleine Ausstellung, die in einem Raum Platz findet, der mit eben dieser Ausstellung als Sonderausstellungsbereich eröffnet wurde, mag zu einem neuerlichen Besuch der Kostbarkeit – dem nach wie vor einzig existenten Museum, das dem Thema der Gartenkunst, der Kunst im und am Garten gewidmet ist – animieren. Gehört der Grund, auf dem das Schloss Fantaisie mit seinem gewaltigen und gewaltig schönen, zwischen Natur und Kultur, Wald und Park vermittelnden Garten steht, sich auch in Eckersdorf bei Bayreuth befinden, so betritt man in der Fantaisie zugleich den Boden der ehemaligen Bayreuther Markgrafschaft; das Lust- und Sommerschlösschen gehörte so zum Bayreuther Hof wie die Schlösser in St. Georgen und Colmdorf. Im Dienst des Grüns macht nun bekannt mit einem durchaus bedeutenden Obergärtner: mit August Christian Oertel. Seine Bayreuther Dienstzeit fällt zwar schon in die nachmarkgräfliche Zeit, doch hatte er mit all jenen Parkanlagen zu tun, die unter den Markgräfinnen und Markgrafen in Bayreuth und Umgebung kultiviert worden sind. Nachdem 2022 sein Porträt von der Bayerischen Schlösserverwaltung erworben werden konnte, beschloss man, dem Porträtierten eine Schau zu widmen. Er verkörperte, liest man im Waschzettel zur Ausstellung, „das vielseitige Berufsbild des Hofgärtners um 1800 exemplarisch“. Vom „Planteur“ zum Hofgärtner: der Mann schaut uns preußisch-korrekt (er stammte aus Thüringen) und fast nüchtern an. Schaut man genauer hin, entdeckt man das leise freundliche Lächeln, das seinen Mund umspielt. Vielleicht dachte er, als er gerade gemalt wurde, an seine erfolgreiche Obstbaumzucht und eine neue Baumschule, vielleicht freute er sich auf die moderne Umgestaltung des alten Bayreuther Hofgartens oder des Gartens der Fantaisie, vielleicht ahnte er schon, welchen Erfolgsweg die Kartoffel noch zurücklegen würde, für deren Anbau er sich einsetzte. „Im Nutzgarten des Schlossparks“, erfährt man, „erinnert ein kleines Feld mit verschiedenen Kartoffelsorten an diesen Teil seines Schaffens.“ Vielleicht war auch „nur“ seine Frau im Raum.

Das Schaffen eines Gärtners, und sei es das eines preußischen oder königlich-bayerischen Hof- und Obergärtners, ist vergänglich; manchmal zeugen nur noch die Pläne, die er zeichnete, von seinem schweißtreibenden und künstlerisch hochstehenden Wirken. In Zeiten der Klimakrise und vielfältiger Öko-Katastrophen ist das Wirken von wissenschaftlich gebildeten Gärtner unendlich wichtig. Die kleine wie informative Schau würdigt einen Gartenkünstler und -praktiker, dessen Schaffen nicht vergessen wurde und nach wie vor aktuell ist: über 200 Jahre nach seinem irdischen Dahinscheiden.

Wer das nächste Mal durch den Garten der Fantaisie und das dazugehörige Museum geht, wer an der ehemaligen Hofgärtnerwohnung am Bayreuther Hofgarten vorbeiläuft, die renoviert werden musste, bevor Herr Oertel und seine Frau, eine geborene Hirsch aus Himmelkron, dort einziehen konnten, mag sich an Oertel und sein Schaffen erinnern – auch an die Frau an seiner Seite, deren schönes Freundschaftsalbum man auch in der Sonderausstellung bewundern kann.

Wie gesagt: Eintrittskarten gibt es bei Frau Obst.

Gartenkunst-Museum Schloss Fantaisie / Eckersdorf-Donndorf : Im Dienst des Grüns – Der Bayreuther Hofgärtner August Christian Oertel (1760–1818)“. Bis 18. Oktober 2026

Frank Piontek

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