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Mittwoch, 25. Mai 22

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Das Frauenpfeffern

FestkulturDas Frauenpfeffern

Leider wird der Brauch, der mit einem dörflichen Fest- mahl zu enden pflegt, nur noch in wenigen oberfrän- kischen Dörfern in den Landkreisen Lichtenfels, Coburg, Kronach und Forchheim beobachtet. Dabei gehört er zu jenen Übergangsriten, die den durchaus ernst gemeinten Glückswunsch für die Menschen mit einer Menge Hu- mor und Sinnlichkeit unüberbietbar verbinden.

Bekannt ist der Brauch des Pfefferns oder des Frauenpfefferns spätestens seit dem 18. Jahrhundert; ob er noch in nicht- christliche Zeiten zurückreicht, mögen die Volkskundler entscheiden. Wer am sog. vierten Weihnachtstag, also dem 28. Dezember, folgenden kostümierten Personen im katholischen Dorf begegnet, hat es mit den Pfefferern zu tun: den drei weißen Männern, dem Frala, dem Bären und / oder dem schwarzen Mann. Die weißen Männer sprechen einen Teil der Sprüche und tanzen sodann mit den Frauen und Mädchen des Hauses, das Frala ist ein in eine Tracht gesteckter Mann, der auf seinem Rücken den Korb trägt, in dem die Gaben gesammelt werden, der Bär ist ein mit „Stroß“ eingebundener Mann mit Bären- führer, und der schwarze Mann ist ein schlotfegerähnlich gekleideter Geselle, der allen, die er fassen kann, Ruß ins Gesicht schmiert. Scherenschleifer, Sackträger, Jäger, auch sie können im Pfefferertross dabei sein.

Gepfeffert werden vornehmlich Frauen, aber auch Mädchen dürfen gepfef- fert werden, denn unverheiratete Mädchen, die nicht gep- feffert werden, genießen einen schlechten Ruf. Sie werden gepfeffert mit Mistel- oder Fichten-Zweigen, auch mit frisch geschnittenen und geschmückten Tannenzweigen, denen eine besonders starke Lebenskraft zugeschrieben wird, sie werden gepfeffert von jungen Burschen, die die Häuser eines Dorfes abklappern, bis sie aller weiblichen Personen habhaft geworden sind. Gepfeffert oder gefit- zelt, d.h..: symbolisch geschlagen, werden die Frauen auf die Hände, die Beine oder – zusätzlich bedacht mit einem frechen Spruch – aufs Hinterteil, und zwar solange, bis sie die richtige Antwort auf die Frage geben: „Schmeckt der Pfeffer gut, is a gsalzen oder gschmalzen?“ „Er is gsalzen und is gschmalzen.“

Wer Glück hat, mag folgenden Vers vernehmen: „Engel, Bengel Rosenbam, ich glab du bist ka Nocht deham; rennst des Döffla nauf a nieder, bis da findst dei Schätzla wiede.“ Der Dank für diesen Wunsch folgt meist auf dem Fuß: in Form eines Schnapses, von Geld oder anderen guten Gaben, denn die Frauen wissen, dass sie, wenn sie erst einmal gepfeffert wurden, gesund und fruchtbar wurden oder blieben wie die Zweige, mit denen man sie pfefferte. Und wer es ganz exotisch kennt, bekommt das Bein mit einem geschmückten Gänseflügel gestrichen: „Ich kehre ab die Sorgen vom alten Jahr.“ Das Pfeffern ist auch ein Fest für die Kinder, die anstelle eines Glaserls einen Lebkuchen, genauer: einen auch sprachlich passenden „Pfefferkuchen“ bekommen. Das Ritual endet abends, denn das Geld, das die Pfefferburschen den lan- gen Tag über eingesammelt haben, wird abends der Dorf- gemeinschaft in einem Festessen zurückgegeben.

Es gibt übrigens auch ein Männerpfeffern. An Neujahr dürfen sie, die Mädchen, sich dem anderen Geschlecht nähern, indem sie mit Birkenreisern sanft an dessen Waden schla- gen: „Schmeckt das Neujahr gut?“ „Ja, es schmeckt gut“. Wer schon am ersten Tag des Jahres so gepfeffert wird – dem kann es ja nur gut werden.

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