Kategorie: Oper

  • Bewegende Schlüssse

    Bewegende Schlüssse

    Kaija Saariahos Innocence am Nürnberger Staatstheater Kann man ein Massaker auf die Bühne bringen? Man kann. Im Fall von Innocence haben die Autoren, die Komponistin Kaija Saariaho und die Librettisten Sofi Oksanen und Aleksi Barrière, vertraglich verfügt, dass der Amokläufer, also auch der Amoklauf, der im Hintergrund der Handlung steht, nicht gezeigt werden dürfen. Die…

  • Ein Fest – und eine böse Geschichte

    Ein Fest – und eine böse Geschichte

    „La Traviata“ am Staatstheater Nürnberg Die Oper beginnt vor dem Fest. Allein da sehen wir schon das Unglück nahen. Mujeres al borde de un ataque de nervios – Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs – das Plakat zum Film hängt unübersehbar an der Wand. Die junge Frau kommt in den Raum, beginnt zu sprechen, macht sich…

  • Wenn die Blätter fallen

    Wenn die Blätter fallen

    Tschaikowskys Eugen Onegin am Theater Hof Die Blätter beginnen im 2. Akt zu fallen. Tatjana hat ihren Brief geschrieben und abgeben lassen, nun kommt der Angebetete und teilt ihr unmissverständlich mit, dass er kein Interesse an ihr habe. Da fallen die ersten feuilles – es ist wie in einer frühen Tannhäuser-Inszenierung, wenn die Pilger heimkehren.…

  • Die Macht der Musik

    Die Macht der Musik

    Monteverdis Orfeo im Markgräflichen Opernhaus La Musica lächelt. Kein Wunder, denn schon mit der berühmten Toccata, also der Gonzaga-Erkennungsmelodie, dem Leitmotiv der mantuanischen Fürstenfamilie, die sich durch die Förderung Claudio Monteverdis unsterblich machte, schon mit der Introduktion zum Orfeo erreicht die Musik die Herzen. Es ist dies durchaus kein Widerspruch zur Tatsache, dass im Verlauf…

  • Ein barockes Fest

    Ein barockes Fest

    Francesco Cavallis Pompeo Magno beim Bayreuth Baroque Carneval! Das Wort fällt einem ein, sobald der erste Takt erklungen ist. Natürlich Carneval – denn Francesco Cavalli hat seine Opernkarriere im Venedig des 17. Jahrhunderts begonnen: als höchst gelehriger und sich von ihm emanzipierender Schüler des Claudio divino, also des göttlichen Claudio Monteverdi. „Wahrlich hat Francesco Cavalli…

  • Ein solcher Genuss…

    Ein solcher Genuss…

    Händels „Deborah“ bei der Musica Bayreuth „Es ist ein solcher Genuss.“ Die Meinung einer Besucherin, geäußert vor dem zweiten Teil, ist einhellig, die Begeisterung zumal für den Hauptrollensänger des Abends, Jakub Orliński, nicht minder. Man sieht’s ja schon daran, dass er selbst dann, wenn er nur am Spielfeldrand sitzt und (stumm?) mitsingt, fotografiert wird. Die…

  • Im musikalischen Psychosentheater

    Im musikalischen Psychosentheater

    „Der fliegende Holländer“ in Nürnberg Nicht allein Vasco da Gama und Cristobal Colon waren skrupellose Menschenschinder. Nike Wagner nannte sie einmal, in einem großen Essay über die Oper, „zynische Ausbeuter der Kolonien“: so wie den Fliegenden Holländer selbst. Woher denn kommt sein ungeheurer Reichtum, den der seit Jahrhunderten über das Meer fahrende Mann mit sich…

  • Im Geist des Idealismus

    Im Geist des Idealismus

    Mozart Clemenza di Tito bei den Gluck-Festspielen Michael Hofstetter, der künstlerische Leiter der Gluck-Festspiele 2024, nennt es, mit wohlbedachten Worten, eine „Ergänzung“. Er hätte die Aufführungen der 1752 komponierten Clemenza di Tito des Christoph Willibald Gluck und von Mozarts gleichnamiger, 1791 uraufgeführter Oper auch als einen „Vergleich“ bezeichnen können, aber er tat’s nicht. Es hat…

  • Traumhafte Versenkung

    Traumhafte Versenkung

    Valer Sabadus bei den Gluck-Festspielen Was garantiert die Einheit eines Programms? Kontraste. Schon aus diesem Grund muss das Arienprogramm, das uns die Gluck-Festspiele nach dem Eröffnungsabend in das Markgräfliche Opernhaus geschickt haben, als gelungen betrachtet werden. Kommt hinzu die Persönlichkeit des Sängers. Valer Sabadus hat uns hier schon im letzten Jahr mit Arien zumeist von…

  • Durchaus nicht von gestern

    Durchaus nicht von gestern

    Eröffnung der Gluck-Fespiele: Glucks La Clemenza di Tito 1988 meinte der Musikwissenschaftler Reinhard Wiesend, dass sich „das heutige Theater“ kaum für die Gattung der Opera seria interessieren könne. Es sei ja kein Zufall, dass zwei Jahre zuvor die Cleofide nur konzertant aufgeführt worden sei. Und weiter: „Ohne Übertreibung darf man in der Opera seria eine…