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Dienstag, 8. September 26

Bayreuther Orgelfreuden

AllgemeinBayreuther Orgelfreuden

David Kiefer spielte in der Schlosskirche

Ein Konzertbesuch birgt ja auch immer die Chance, ein wenig Musikgeschichte zu erhaschen. Wer die samstäglichen Orgelmatineen kennt, die zur Festspielzeit in der Schlosskirche veranstaltet werden, weiß, dass er immer mit hervorragenden Musikern und interessanten Werken bekannt gemacht wird. Im besten Fall bietet das Programm eine konzentrierte Dramaturgie, im allerbesten Fall einen Blick in ein Oeuvre, das man so noch nicht oder doch nicht oft gehört hat: nicht einmal an der Schlosskirchenorgel.

David Kiefer, mehrfach gekrönter Organist aus Freiburg, ein Jungtalent von 29 Jahren, Schüler Oliver Latrys, schon gespielt habend im Kölner Dom, in der Sainte Chapelle in Versailles und St. Eustache in Paris, im Freiburger Münster und der Wenzelskirche Naumburg, brachte also sechs Stücke von vier Komponisten mit – womit er zugleich einen (natürlich fragmentarischen) Überblick über die französische Orgelkunst zumal des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gab. Es muss ja nicht immer Messiaen und Dupré sein; die kommen ein wenig später. Mit zwei Sätzen aus Charles-Marie Widors 6. Symphonie op. 42, dem Adagio und dem Intermezzo (die berühmte Toccata kann man sich dazudenken) von 1879, Louis Viernes Carillon de Longpont aus den 24 Pièces en style libre op. 31/21 von 1913 und Jehan Alains Première Fantaisie von 1933 und den Litanies von 1937 bot Kiefer ein eindrückliches Hörbild der französischen Orgelmusik, die man in ihrer Originalität nur mit der spanischen Renaissanceorgel und der deutschromantischen Orgelliteratur vergleichen kann. Hinzugepackt ein kurzes, doch einprägsames Werk eines großen Barockmeisters, dessen musikalische Hinterlassenschaft schmal, aber bedeutend, weil eigenständig ist: Viktor Lukas nennt es in seinem in Bayreuth geschriebenen Orgelmusikführer „aristokratisch vergeistigter und zugleich vornehmer“ als das seiner Landsleute. Kiefer spielt also das Récit de tierce en taille aus Nicolas de Grignys Livre d’Orgue von 1699 – und bietet einen ruhigen Kontrast zwischen Widors wildem Intermezzo und Alains neutönerischer Ersten Fantasie.

Kiefer sitzt durchaus nicht, wie man es von Bach sagte, ruhig und kerzengerade am Spieltisch, sondern arbeitet sich förmlich in die Musik hinein – als könne die Körperhaltung und der Tatstendruck den Klang verändern. Hört man die glänzend registrierten und ungemein lebendigen Interpretationen der Werke der französischen Orgelmeister genau an, meint man tatsächlich, dass die Haltung die Intensität der Aufführung befördert. So ähnlich ging es einem ja, als die leider aus Bayreuth verschwundene Mareile Schmidt, einst Orgelprofessorin an der Hochschule für evangelische Kirchenmusik Bayreuth, die Tasten drückte.

Riesenbeifall also für ein spannendes Konzert – und das alles, man kann es nicht oft genug sagen, dem Verein Schlosskirchenmusik e.V. sei Dank, quasi zum Nulltarif, also gegen Spende. Wo gibt es das sonst in dieser Fülle und Qualität? Ausser vielleicht noch bei den Mittwochsmatineen in der nahen Stadtkirche…

Frank Piontek

Foto (c) Silvia Schillinger-Teschner

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