Mariachimusik und -musiker beim Festival junger Künstler
Falls es jemals so etwas gab, ist es vergessen worden: eine Fusion aus mexikanischer und bayerischer Volksmusik.
Dabei stammen die fünf angereisten Musiker gar nicht allein aus Mexiko. Einer kommt aus Kolumbien, ein zweiter aus Puerto Rico, aber zusammen machen sie das, was als Mariachi weltbekannt ist: eine Musik mit zwei Trompeten, für die das Wort „schmetternd“ erfunden wurde, einer Violine und zwei Gitarren. Wenn sie später, kurz vor Schluss der buchstäblich in die Füße fahrenden Veranstaltung – ach was: einem FEST –, Cielito Lindo anstimmen, also die zweite mexikanische Nationalhymne, wie das Lied genannt wird, ist’s nur folgerichtig. Die Melodie kennt Jeder, am späten Nachmittag singen sie sie auch, ich übersetze es mal gleich: Ay, ay, ay, ay, / Sing und weine nicht, / Denn beim Singen freuen sich, / Mein Liebling, die Herzen. Sie: das ist am 2. August 2026 auch die Gruppe Box Gallop, die unter der Leitung der Geigerin Carolin Pruy-Popp auf der kleinen Bühne am ZENTRUM angetreten ist, um wenigstens einige Nummern zusammen mit dem Ensemble Mariachi universal zu spielen. „The group includes vocalists who sing their hearts out making you feel every word and every emotion throughout the song“, lesen wir auf der Homepage der fünf Herren. Später denke ich: Es wäre schön, wenn sich die Sprache der Musik, die ohne Worte auskommt, auch auf die Politik anwenden lassen könnte. Bevor es losgeht, stehen drei Frauen auf der Bühne, die am Nachmittag gleichsam die Repräsentantinnen des Festivals sind. „Die Festspiele haben blaue Mädchen, das Festival hat Super Models“, sagt Intendantin Sissy Thammer und weist auf die farbharmonisch und floral abgestimmten Kostüme der drei Damen, auch auf die Förderinnen und Förderer hin, die den Nachmittag erst ermöglicht haben. Box Gallop macht den Anfang, die Klarinetten singen, die Geige jubelt, das Akkordeon schimmert, der Bass streicht sich durch die fränkisch-bayerische Volksmusik. Allein auch sie wird modernisiert – so wie die mitgebrachten Musikstücke der Mariachi-Musiker unter der Leitung von Carlos Avina manchmal zum Jazz tendieren; großartig schon der Solotrompeter mit seiner Solotrompete, für die das Wort „strahlend“ erfunden wurde.
Nicht strahlend, sondern tief bewegend („who sing their hearts out making you feel every word and every emotion throughout the song“) kommt, das ist vielleicht schon der Höhepunkt, die Serenade, die die Herren für Irma Ochoa de Nebel anstimmen. Die Dame, Gründerin der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft Bayreuth und langjährige ehrenamtliche Ausländerbeauftragte der Stadt Bayreuth, ist anwesend, enamorado ist da das Wort, das haften bleibt, wenn es plötzlich ganz leise wird. Dagegengesetzt: ein „Bittersdorfer“, fröhliche Tänze im Viervierteltakt, aber auch ein sanfter Erdbeerwalzer, eine Polonaise, tanzende Paare auf dem Parkett, mexikanisch-spanisches Fremdes, das gar nicht so „fremd“ klingt, und Fränkisches, das dem Nichtfranken fremd klingen mag. Wer weiß schon, was „a aalde Semmelfraa“ ist, wenn er neu ist?
Worum geht’s schließlich bei den Mariachis? „Immer um Liebe“, sagt jemand, und: „Die Trompete bringt da schon Feuer rein“, wie eine hispanoaffine Besucherin meint. Wie gesagt: Es wäre schön, wenn sich die Sprache der Musik, die ohne Worte auskommt, auch auf die Politik anwenden lassen könnte. Bemerkenswert genug, dass das Fest möglich wurde. Im Übrigen: Sah Ministerpräseident Söder in seiner Bartphase nicht ein wenig wie ein Hispanier aus?
Frank Piontek
Foto (c) Olga Gassan / Festival junger Künstler

