Auf der Straße nach Westen

Armanos neues Album I hate to leave

I hate to leave – der Titelsong könnte Schwarzes verheißen, aber es geht „nur“ um das Gefühl, das man vielleicht hat, wenn man sich auf einer Konzerttournee befindet. Im Grunde aber geht es, Ride on, auf Armanos neuem Album immer um Reisen – dafür sorgt nicht allein der Sound des Trios aus Gitarre & Vocals, Drums & Percussion (Jens Kubmann) und Bass (Andreas Arneth), dem man nicht zu nahe tritt, wenn man ihn in die Schublade „Truckermusik“ packt, doch hat er gleichzeitig etwas ungemein Urbanes. Mit der Nähe zu „Blues, Country und Americana“, wie es im Waschzettel heißt, bringt Armano „den Sound des amerikanischen Südens und Mittleren Westens direkt auf die Bühne“ – produziert in Bämbörg, Upper Franconia, wo in den Altstadtkneipen die Sehnsucht nach dem Süden des Westens genauso zuhause ist wie auf den Straßen der Staaten, die Armano bereist hat, um einige musikalische Reiseandenken in die Heimat zu bringen. Er liebt den gepflegten Rockabilly-Sound, der zwischen Aufbruch und Reisen kaum einen Unterschied macht – die Musik ist „nur“ die Unterlage für die lebensphilosophischen Texte, über denen sich im mittelschnellen Viervierteltakt die Stimme hören lässt. Es ist dies Armanos erstes Full-Length-Solo-Album, während er schon bei Oporto und den See Riders zu hören war und immer noch ist. Die 15 Songs stammen fast alle aus seiner Feder, nur Katie und Old Time Rider wurden von Fred Eaglesmith und Clifford Gibson geschrieben. Katie, Katie / What’d I do? / I was so in love with you / Worked my fingers to the bone / I never even wanted this old farm, singt Armano in der bösen Ballade eines Doppelmords, während der old-timey rider, die Maschine, plötzlich zur Frau wird, nach der mann sich sehnt. Die Songs sind schon sehr männlich – aber wie in jedem guten Country-Blues-Folk-Rock-Song bemerkt man die Verletzlichkeit dessen, der da singt: auf der Straße nach Westen oder im Westen Upper Franconias.

Armano: I hate to leave. Erhältlich über www.armanomusic.com

Frank Piontek