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Pianistische Zeitreise oder Mehrere Talentstufen
Studenten der Dresdner Hochschule für Musik bei Steingraeber Nobel – so, denkt man, könnte Chopin seine Stücke gespielt haben. So graziös-zurückhaltend, dabei nicht impotent, so stellt man sich eine Art von idealem Chopin-Spiel vor: als Salonmusik von höchsten Graden. So endet das Konzert der Klasse Prof. Karl-Heinz Simon, der fünf seiner begabten Spielerinnen und Speiler…
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Ein kleines Theaterwunder
„La Bohème“ in Coburg Sie sind so etwas wie ein Traumpaar der Oper: Mimi und Rodolfo. Wohl und Wehe einer Bohème-Aufführung hängen weniger von irgendwelchen Regiekonzepten oder Ausstattungsorgien, nicht von der Wandfarbe, sondern von den Sängerinnen und Sängern der Hauptrollen ab – wobei auch die Interpretinnen und Interpreten der Musetta und der drei Bohème-Freunde, genau…
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Auf der Straße nach Westen
Armanos neues Album I hate to leave I hate to leave – der Titelsong könnte Schwarzes verheißen, aber es geht „nur“ um das Gefühl, das man vielleicht hat, wenn man sich auf einer Konzerttournee befindet. Im Grunde aber geht es, Ride on, auf Armanos neuem Album immer um Reisen – dafür sorgt nicht allein der…
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Tanz – aber kein Tanztheater
Richard Siegals Nürnberger Einstand Sagen wir es positiv: Was Richard Siegal, der neue Nürnberger Compagniechef, mit seiner ersten Produktion realisiert hat, ist Tanz, kein Tanztheater. Dass er in enorm große Fußstapfen tritt, nachdem Goyo Montero 17 kurze Jahre lang die Herzen der Nürnberger für das moderne Tanztheater Monteroscher Prägung bewegt hat, versteht sich von selbst…
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Eine vollkommene Theateraufführung
Oliver Hepp spielt John Clancys Event Auf dem Programm- bzw. Waschzettel der Produktion steht, als dramaturgische Beigabe, lediglich ein kurzes, aus zwei Sätzen bestehendes Zitat. Sie aber gehören zum Wichtigsten, das je über das Theater geschrieben worden ist: Ich kann jeden leeren Raum nehmen und ihn eine nackte Bühne nennen. Ein Mann geht durch den…
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Hoppelpoppel oder Jean Pauls Zauberland
Franzobels Jean Paul-Jubiläumsstück „Wenn du glaubst, ich bin eine von dir erfundene Figur, bist du auf dem Holzweg.“ Die dies sagt, in einem neuen Stück, einem Theaterstück, das sich um einen Autor dreht, der nie ein Theaterstück schrieb, ist Jean Pauls Mutter. Man konnte ihn hören, als es im Sommer 2025 in Wunsiedel uraufgeführt wurde:…
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Traurigkeit und wilde Freude
Zum Nürnberger Neujahrskonzert: Eine Wiener Melange Zufällig – was so „Zufall“ heißt – lese ich auf der Heimfahrt nach Bayreuth folgende Zeilen: „Das sind sehr düstere Charakterisierungen, die darauf hinauslaufen, auch die Gegenwart selbst als ausweglos zu betrachten. Sie wird auf umfassend negative Weise als eine Zeit der Verlassenheit begriffen (…) Könnte zumindest die Musik…
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Unter dem Sternenhimmel
Emerich Kálmáns „Bajadere“ im Theater Hof Ich werde den Satz nie vergessen: „Kálmán war ein Genie“. Gesagt hat ihn vor rund 25 Jahren Bónis Ferenc, einer der größten Kenner der ungarischen Musikszene, Gott hab ihn selig, am Rande eines der Salzburger Symposien für (Musik-)Theater. Wir unterhielten uns über die Csárdásfürstin, die ein halbes Jahr zuvor…
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Bayreuth – die Probebühne Deutschlands
Bernd Buchners Wagners Welttheater. Geschichte der Bayreuther Festspiele Auch die Geschichte der Bayreuther Festspiele ist eine politische Geschichte. Kann man eine Geschichte der Festspiele schreiben, die das alles noch einmal in den Blick nimmt? Der Historiker Bernd Buchner hat es getan – 2013 legte er mit Wagners Welttheater eineGeschichte der Bayreuther Festspiele zwischen Kunst, Politik…
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Schönheit im Licht der autobiographischen Lyrik
Kurt Kreilers wichtige Edition der Sonette „Shakespeares“ „Ich ist ein Anderer.“ Was 1871 der Dichter Arthur Rimbaud von sich behauptete, darf mit Fug und Recht auf Shakespeare, oder genauer: „Shakespeare“, gemünzt werden. Denn das ER, den man als den bedeutendsten Dichter aller Zeiten und Kulturen zu bezeichnen pflegt, ein „Anderer“ war, dürfte selbst dem bekannt…