17 C
Bayreuth
Montag, 27. Mai 24

Beautiful Music, beautiful rhythm

Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys bei...

Vom Grünen Hügel

Tonbandgespräche mit Wolfgang Wagner von Raymond Tholl Bayreuth 14....

Einzigartig: Ein schönes und wertvolles Erbe

Herbert Popps Die Sandsteinhäuser und Sandsteinbrüche im...

Traumhafte Versenkung

OperTraumhafte Versenkung

Valer Sabadus bei den Gluck-Festspielen

Was garantiert die Einheit eines Programms? Kontraste.

Schon aus diesem Grund muss das Arienprogramm, das uns die Gluck-Festspiele nach dem Eröffnungsabend in das Markgräfliche Opernhaus geschickt haben, als gelungen betrachtet werden. Kommt hinzu die Persönlichkeit des Sängers. Valer Sabadus hat uns hier schon im letzten Jahr mit Arien zumeist von Johann Adolf Hasse, einem der Großmeister der Opera seria, beglückt, nun bietet er uns zunächst Händel, dann Gluck, also den Vertreter einer etwas älteren, gleichwohl immer noch erregenden Stilart, dann die Musik eines homo nuovo, der die Musik- und Operngeschichte auf seine Weise revolutioniert hat, so dass am Ende nichts Anderes übrig blieb, als mit Mozart, Cherubini, Spontini und Wagner einen neuen Weg des Musiktheaters zu beschreiten. Sabadus steht einsam auf der Bühne, begleitet vom Barockorchester der Thüringen Philharmonie Gotha-Eisenach, aber was heißt hier „begleitet“? Man erlebt es nur relativ selten, dass ein Sänger so intensiv mit einem Instrumentalensemble und ein Kammerorchester mit einem Sänger verschmilzt. Das Programm wird zu einer Kette von Höhepunkten, die einer Folge gehorchen: Der Ouvertüre zum Giulio Cesare folgt eine Arie aus Imeneo, die man, in dieser „Exekution“, wie man seinerzeit gesagt hätte, nur als smooth bezeichnen kann, dann eine natürlich erregte Arie aus dem Giulio Cesare. Bestand der sog. Charakter einer Hauptfigur einer „typischen“ Opera seria aus einer Fülle von Affekten, die sich in den zumeist aus zwei Affekten zusammengesetzten Arien äußerten, stellt Sabadus einen „Helden“ auf die Bühne, der sich in Dur und Moll seiner Gefühle entäußert. Mit „Scherza, infida“ aus dem Ariodante bringt er sein Publikum mit äußerster Dezenz zur Klimax – die Arie, die kein Ende nehmen will (sie dauert nur 12 Minuten, doch wieso nur bricht sie am Ende ab?), ist schier traumhaft, der Sänger das Medium einer Versenkung, die noch nach 300 Jahren ins Gemüt drückt. Chapeau! Und das Orchester spielt unter Michael Hofstetter mit einer Dezenz, die einfach nur berückend ist.

Sie ist es auch im zweiten Teil. Während Händels Genie zum größten Teil einer Epoche angehört, die vor der Eröffnung des Markgräflichen Opernhauses lag, bewegt man sich mit Gluck, auch dem jungen, in einer Zeit, in der das Haus seine ersten Opern und Feste erlebte. Semiramide riconosciuta kam 1748 heraus, also just in dem Jahr, in dem das Haus eröffnet wurde, doch beherrscht auch hier der reizvolle Kontrast die Ästhetik. Repräsentiert Galli Bibienas Bau in totaler Konsequenz die absolutistische Symmetrie, bricht der Mann, der mit seinen späteren Werken zum Reformator der sterbenden Gattung Opera seria (die ihrerseits, zumindest in den Finali, ein musikalisch-dramatischer Ausdruck jener absolutistischen Totalität ist) und zum Revolutionär werden sollte, mit den Konventionen einer normierenden Ordnung. Der Tanz der Furien aus dem Orphée ist ein gutes Beispiel vorrevolutionären Elans; das Orchester spielt ihn so, dass das Publikum in Begeisterungsrufe ausbricht. Kein Wunder zumal angesichts der schroffen Bläserakkorde. Sabadus widmet sich Arien aus der Semiramide, Paride ed Elena (einem leider nicht ganz so oft gespielten Meisterwerk aus der späteren Periode, das vor einigen Jahren bei den Gluck-Festspielen zu erleben war) und dem deutschen Orpheus – und hier wie bei Händel zieht er die Höfrer durch die Schönheit seines Counters, die Beherrschung aller technischen Mittel und die dramatische Versenkung in den Bann: bis hin zum „Schlager“: „Ach, ich habe sie verloren“. So endet der Gluck-Teil, der mit einer ins schönste Pianissimo getauchten Ouvertüre zum Antigono begann und mit der feinsten, klanglich fragilen Kammermusik zur Semiramide-Arie fortgesetzt wurde.

Die Zugaben aber krönen den Abend. Mit dem fantasievoll ausgezierten „Voi che sapete“ aus Figaros Hochzeit und einem tief innerlichen „Ombra mai fu“ sowie einer letzten erregten Händel-Arie kann man ja nichts falsch machen. Nie war ein Schatten – und wenn er war, dann klang er auch an diesem Abend sehr, sehr schön.

Weiterschmökern

Beiträge nach Kategorien:

Die beliebtesten Artikel